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Münchens erste Kuschelparty
TZ München vom 5.Juli 2005

Nicole und Alexander Baretzky haben die erste Kuschelparty Münchens veranstaltet. Ihren Beruf bezeichnen sie als Kommunikations- und Ro­mantiktrainer. Zusam­men führen sie ein Se­minarhaus in Lamplstätt in der Nähe von Was­serburg, wo sie Kom­munikations- und Flirt­seminare anbieten.

Vier Frauen und sieben Männer -alle zwischen zwanzig und Mitte fünfzig - treffen nach und nach in der Tanzschule Moving Point ein. Mit ernsten Mienen bezahlen sie die 15 Euro Gebühr in der Frauhoferstraße 23 h. Dann ziehen sie sich die Schuhe aus. Um 20 Uhr betreten alle elf nervös den großen Raum mit den vielen Spiegeln an den Wänden. Aber nicht, um die ers­ten Walzerschritte zu lernen, sondern um miteinander zu schmusen. Hier, mitten in der In­nenstadt, fand am Freitag den 1. Julii Münchens erste Kuschelparty statt.

In New York sind die Cuddle-parties schon län­ger in. Hier ku­scheln wildfremde Leute miteinander und zahlen dafür Eintritt. Auch in Berlin gab's be­reits Kuschelpar­tys - und jetzt, wie gesagt, wird auch an der Isar gruppengeschmust.

In der Tanzschule Moving Point warten drei selbst ernannte Kuschel­trainer: Nicole (33) und Alexander (56) Baretzky sowie Thomas Polzer (38), dimmen das Licht im dem Raum mit den weichen Matten auf dem Par­kett, lassen Softrock aus den Lautsprechern klingen. Alle müssen sich mit Vornamen vorstellen, die Trainer erklären die Regeln

Dann durfte oder vielmehr sollte gekuschelt werden. Doch die Münch­ner haben Schwammerl in den Knien. „Darum haben wir den Großteil des Abends mit Spielen verbracht", sagt Nicole Baretzky hinterher. Spiele wie etwa „Bewusst gehen" oder „Rücken an Rücken aneinander stehen", um das Körpergefühl zu steigern und die Wärme des anderen zu spüren.

Der Schmusekurs funktionierte: Langsam kamen sich die Teilnehmer doch noch näher. Und in den letzten eineinhalb Stunden war die Gruppe dann reif zum Kuscheln. Alle zusam­men auf einem großen Haufen mitten auf dem Boden. Gegen 23 Uhr ist Schluss mit Schmusen. Kein bisschen Anspan­nung mehr, keine Scham. Inzwischen völlig locker. Ganz beseelt zie­hen sie sich die Schuhe wieder an. Und wie war's? „Super!", sagt Christian. „Vor al­lem mit Ellen habe ich mich gut ver­standen - bei den Spielen und beim Kuscheln." Er ist 27, sie 47 - war der Altersunterschied kein Problem? „Nein", sagt Christian. „Es geht ja nicht um eine Beziehung, sondern bloß darum, sich in der Nähe des anderen geborgen zu fühlen."Vor allem, dass man sich in einem sicheren Rahmen näher kommt, „oh­ne den Druck, gleich miteinander ins Bett zu gehen", gefällt einer Mittvierzigerin. Und ein Herr meint: „Wer das nicht ausprobiert, ist selber schuld.

Jetzt entspannen sich auch die Kuschel-Trainer: „Als Kinder haben wir doch auch mit den Eltern geschmust", sagt Alexander Baretzky. „Erst mit der Pubertät wird Körperkontakt sexualisiert. Und die Unschuld des Kuscheins geht verloren." Das muss nicht sein, findet Baretzky: „Kuscheln tut gut, entspannt und ist gesund!"

Simone Herzner